Corinne Brecher

Investorin des Monats: Sara

Mir wäre es lieber gewesen, ein eigenes Depot zu verwalten, statt Fonds über den Berater zu kaufen

Investorin des Monats - Blogreihe von Corinne Brecher

Die «Investorin des Monats» ist die Blogreihe, die dir ungeschminkte Einblicke in die Finanzen von anderen Frauen gewährt. Erfahre, warum sie Geld investieren, welches ihre grössten Erfolge und Erkenntnisse sind und was sie heute anders machen würden.

Investorin des Monats: Sara Bantli Tran

«Mir wäre es lieber gewesen, ein eigenes Depot zu verwalten, statt Fonds über den Berater zu kaufen», sagt Sara (42), wohnhaft in Arth. Sie ist geschieden und hat eine Tochter.

Sara erzählt als Investorin des Monats in diesem Beitrag:

  • mit welcher Strategie sie eingestiegen ist,

  • was sie an der Kryptowelt so spannend findet und

  • mit welchem Produkt Frauen am besten mit dem Investieren starten.

Viel Freude beim Lesen des Interviews!

Corinne: Was hat dich dazu bewogen, dich selbst um deine Finanzen zu kümmern?

Sara: Eigentlich habe ich das schon immer getan, denn für mich war es seit Klein auf wichtig, selbständig und von niemanden abhängig zu sein.

Der Auslöser war unter anderem, dass ich bereits als Kind meiner Mutter Geld ausgeliehen habe, um Essen oder Rechnungen bezahlen zu können. Mein Vater hat wohl nie Alimente gezahlt, was dazu führte, dass er uns Kinder im Teenageralter um Geld angepumpt und es nie zurückbezahlt hat. Er lebte ziemlich sicher über seinen Verhältnissen, denn wir waren mit ihm immer in 4- und 5-Sterne-Hotels unterwegs und haben in Suiten übernachtet.

Für mich war immer klar: Wenn es bei mir finanziell eng wird, können mir meine Eltern nicht helfen.

Wenn es bei mir finanziell eng wird, können mir meine Eltern nicht helfen.

Wie lange ist das her und was hat sich seit dem verändert?

Das ist schon länger her. Ich gebe meinem Vater kein Geld mehr, obwohl er immer noch ab und zu nach Geld fragt.

In welchen Verhältnissen bist du aufgewachsen?

Ich komme aus einfachen mittelständischen Verhältnissen und bin ein Scheidungskind.

Welche Rolle spielte Geld in deiner Kindheit?

Als ich 10 Jahre alt war, habe ich das erste Mal meiner Mutter Geld geliehen. Ich glaube, es waren 2’000 CHF. Jedes Jahr zu Weihnachten habe ich ihr dann ein Schuldschein zu Weihnachten geschenkt, bis ich mein Geld wieder zurück hatte.

Zudem zählte ich sehr gerne mein Geld im Sparschwein, das ich regelmässig mit einem Messer geknackt habe. Meiner Grossmutter habe ich stolz vorgerechnet, wie viel Geld ich schon gespart habe. Ansonsten, obwohl wir wahrscheinlich nicht so viel Geld zur Verfügung hatten, habe ich davon nicht viel mitbekommen, erst später.

Als ich 10 Jahre alt war, habe ich das erste Mal meiner Mutter Geld geliehen.

Welche negativen/positiven Glaubenssätze im Zusammenhang mit Geld hattest du früher?

Geld dient als Sicherheit und für Geld muss man arbeiten.

Im Vergleich zu früher: Wie ist deine Einstellung zu Geld heute?

Die gleiche, jedoch ist noch hinzugekommen: Geld arbeitet für dich.

Woher hast du dieses Mindset, dass Geld für dich arbeiten sollte?

Ich kann keine Ursprungsquelle nennen, am ehesten aus dem TV und weil es in meinem Umfeld so vorgelebt wurde. Aktien waren schon immer im Familienbesitz und es war normal, Aktien zu besitzen und 1 Mal pro Jahr an die Generalversammlung zu gehen.

Gibt es etwas, dass du bereust? Zum Beispiel nicht früher angefangen zu haben, dich nicht dafür interessiert zu haben?

Ja, ich hätte mich früher um ein eigenes Depot mit Aktien kümmern sollen. Mit 25 hatte ich zwei Anlagefonds über einen Broker eröffnet, jedoch konnte ich da nicht viel mitreden.

Mir wäre es lieber gewesen, ein eigenes Depot zu verwalten, statt Fonds über den Berater zu kaufen.

Warum konntest du nicht mitreden?

Als ich 2005 startete, waren die technischen Hürden hoch, E-Banking war noch nicht weit verbreitet und nicht gut entwickelt. Ich wollte eigentlich in Schwellenländer/Asien und Europa investieren. Mir wäre es lieber gewesen, ein eigenes Depot zu verwalten, statt Fonds über den Berater zu kaufen. Ich musste ihn für jede Handlung anrufen.

Was war für dich die grösste Herausforderung, als du angefangen hast zu investieren?

Ich wusste nicht, wie die Eröffnung eines Wertschriftenkontos funktioniert und in welches Produkt ich investieren sollte. Schlussendlich habe ich mir dann die Konten mit den meisten Zinsen herausgesucht und meine Säule 3a gut angelegt, bis ich das Geld dann für ein Reihenhaus brauchte.

Hast du dir vor dem Investieren Wissen angeeignet? Wenn ja, von wem und wo?

Ich wusste, was eine Aktie ist. Fonds wie beispielsweise ETFs habe ich erst später kennengelernt, diese waren lange kein Thema für mich. Meine erste Aktie, die ich gekauft habe, war eine Aktie, die in meiner Familie bereits bekannt war und regelmässig Dividende abwarf. Aktien von Kantonalbanken waren für mich «sichere» Aktien.

Ich verkaufe nicht, wenn ich im Minus bin, sondern sitze die Tiefphase aus.

Was war deine Einstiegsstrategie und was hast du gegen die Angst getan, dass dein ganzes Geld verloren gehen könnte?

Ich verfolgte die Strategie: Langsam einsteigen, den Markt beobachten, den Aktienchart studieren, Analyseempfehlungen lesen und dann zugreifen. Nicht gleich alles zur gleichen Zeit kaufen, sondern mit Abständen. Mir hat auch das Vertrauen in mich selbst geholfen und der Spruch «never lose money», was für mich bedeutet, dass ich nicht verkaufe, wenn ich im Minus bin, sondern die Tiefphase aussitze.

Mit wie viel Geld hast du gestartet?

Mit 15’000 Schweizer Franken.

In welche Anlageprodukte investierst du?

Ich investiere in Aktien, Kryptos, Säule 3a, Zertifikate und ETFs.

Ich denke, die Tokens haben Zukunft und auch allgemein, was Kryptowährungen betrifft: Immer mehr namhafte Firmen und Länder nutzen Krypto- statt Fiat-Währungen.

Kryptos und Zertifikate sind nicht gerade Einsteigerprodukte. Wie bist du dazu gekommen?

Zertifikate waren für mich greifbarer als ETFs. Kryptos wurden mir Ende 2017 das erste Mal von meinem Partner empfohlen und ich fand das Thema spannend. Also habe ich mich informiert und mich ins Thema eingearbeitet, mittlerweile bin ich besser up to date als mein Partner, weil ich viele Videos anschauen und Beiträge dazu lese.

Die Gaming-Industrie finde ich spannend, gerade in Bezug auf Kryptos mit den NFTs (non fungible tokens). Mit den NFTs habe ich sowieso viele Berührungspunkte im Alltag, weil mein Arbeitgeber auch welche herausgegeben hat. Ich denke, die Tokens haben Zukunft und auch allgemein, was Kryptowährungen betrifft: Immer mehr namhafte Firmen und Länder nutzen Krypto- statt Fiat-Währungen.

Bitte teile mit uns dein bisher grösstes Erfolgserlebnis

Die Wertsteigerung des Eigenheims, welches wir jedoch wegen der Scheidung wieder verkauft haben. Und meine Performance allgemein: Es macht Spass, dem Geld beim Wachsen zuzusehen.

Mit welcher konkreten Handlung/Aufgabe sollen Frauen beginnen, wenn sie ihre Finanzen selber angehen wollen?

Ihr eigenes Geld verwalten und sich mal ausrechnen, was man ab der Pensionierung bekommt. Ich denke, das öffnet einigen die Augen.

Ein einfacher Start gelingt am besten mit einer Säule 3a es ist einfach, eine Säule 3a zu eröffnen.

Welchen Tipp möchtest du Frauen noch mit auf den Weg geben?

Ein einfacher Start gelingt am besten mit einer Säule 3a es ist einfach, eine Säule 3a zu eröffnen. Ausserdem kann man das Geld nicht so schnell auslösen, was den Vermögensaufbau fördert.

Wer unsicher ist, kann bei der Bank verschiedene Anlagestrategien wählen und schauen, welche sich mit der Zeit besser anfühlt oder bewährt.

Und natürlich: Fangt einfach an und habt keine Angst. Es braucht nur etwas Mut.

Mehr über Sara Bantli Tran:

Sara führt das etwas andere Treuhandbüro.
Du findest sie auf ihrer Webseite oder auf Instagram.

Webseite:  sbttreuhand.ch
Instagram: @sbttreuhand

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Corinne Brecher - Finanziell stark als Frau

Corinne Brecher hilft Frauen ihr finanzielles Potential zu erkennen, auszubauen und zu leben. Dazu gehört das Aufzeigen von Wegen und Lösungen, wie Geld an der Börse arbeitet, wie Vorsorgelücken optimiert und geschlossen werden und was es wirklich braucht, um finanziell unabhängig zu werden, zu sein und zu bleiben.