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Corinne Brecher

Kinderbetreuung kostet Geld. Teilzeitarbeit kann dich ein Vermögen kosten

«Ich arbeite doch nur noch, um die Kita zu bezahlen.»

Jedes Mal wenn ich diesen Satz höre, denke ich dasselbe:
Nein. Tust du nicht.
Zumindest nicht nur.

Klar, kurzfristig fühlt es sich genau so an. Eine HSG-Studie1 hat kürzlich gezeigt, dass Pensumerhöhungen, höhere Steuern, höhere Betreuungskosten und wegfallende Vergünstigungen tatsächlich einen grossen Teil des zusätzlichen Einkommens auffressen können.

Stimmt. Das ist es, was am Ende des Monats übrig bleibt.
Aber die Kita ist nur die Rechnung, die du heute siehst. Die eigentlichen Kosten entstehen oft erst Jahre später – und können sich am Ende auf über eine Million Franken summieren. Die Kita ist dabei, wie du gleich sehen wirst, der kleinste Posten.

Lenas Rechnung: 1,7 Millionen Franken vs. 500'000 Franken

Advance, der Wirtschaftsverband für Gleichstellung in der Schweiz2, hat genau diese Frage anhand einer spannenden Modellrechnung untersucht.

Es geht um Lena. Sie ist 29 Jahre alt, frisch verheiratet und verdient bei einem Vollzeitpensum 70’000 Franken. Nach der Geburt ihres ersten Kindes reduziert sie ihr Arbeitspensum stark. Drei Jahre später kommt ein zweites Kind dazu. Erst viele Jahre später erhöht sie ihr Pensum schrittweise wieder.

Eine Entscheidung, die viele Familien treffen. Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick.

Denn Advance vergleicht zwei Lebensläufe. Im ersten arbeitet Lena durchgehend Vollzeit. Im zweiten entscheidet sie sich über viele Jahre für Teilzeit. Das Ergebnis überrascht. Nicht wegen der Kita-Kosten. Sondern wegen allem, was danach passiert.

Weniger Arbeit bedeutet auch weniger Karrierechancen, kleinere Lohnerhöhungen und tiefere Beiträge an AHV und Pensionskasse. Bis zur Pensionierung summiert sich die finanzielle Einbusse aus entgangenem Lohn und Altersvorsorge auf rund 1,7 Millionen Franken. Die gesamten Kinderbetreuungskosten für beide Kinder betragen im selben Zeitraum rund 500’000 Franken.

Natürlich ist das eine Modellrechnung mit eigenen Annahmen zu Lohnentwicklung und Vorsorgebeiträgen. Nicht jede Familie wird auf dieselben Zahlen kommen. Die Botschaft dahinter ist aber eindeutig: Kinderbetreuung kostet Geld. Teilzeit kann ein Vermögen kosten.

Darum lohnt es sich, nicht nur auf die Rechnung der Kita zu schauen, sondern auf das gesamte Berufsleben. Das vollständige Video von Advance mit der Modellrechnung von Lena findest du hier: Was kostet mehr: Teilzeit oder Kinderbetreuung?

Die Teilzeitfalle: Was Teilzeit dich wirklich kostet

Das Beispiel von Lena zeigt eindrücklich, wie die Teilzeitfalle funktioniert: Die eigentlichen Kosten einer langen Teilzeitarbeit entstehen nicht heute. Sondern morgen. Oder übermorgen. Oder in 30 Jahren.

Natürlich heisst das nicht, dass Teilzeitarbeit falsch ist. Im Gegenteil. Für viele Familien ist sie die beste Lösung. Vielleicht auch für deine.

Entscheidend ist nicht, ob du Teilzeit arbeitest. Entscheidend ist, dass du die finanziellen Folgen kennst und die richtigen Weichen stellst. Denn Teilzeitarbeit beeinflusst weit mehr als den Lohn auf deinem Konto. Weniger Lohn bedeutet auch tiefere AHV-Beiträge, weniger Pensionskassenguthaben und weniger Kapital, das über Jahrzehnte Erträge erwirtschaften kann. Diese Rechnung kommt oft erst viel später, dann nämlich, wenn die Pension näher rückt.

Vielleicht entscheidest du dich ganz bewusst für mehr Zeit mit deinen Kindern. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung, und dafür gibt es viele gute Gründe. Aber dann lohnt es sich, gleichzeitig auch Fragen zu stellen wie:

  • Reicht meine Altersvorsorge später trotzdem?
  • Wie kann ich Vorsorgelücken gezielt schliessen?
  • Wie baue ich zusätzlich Vermögen auf?
  • Wie bleibe ich finanziell möglichst eigenständig, auch wenn das Leben anders verläuft als geplant?

Wie sich eine solche Vorsorgelücke im Alltag anfühlen kann und was Frauen konkret dagegen tun können, liest du hier: 
Altersvorsorge: Der Schockmoment für Frauen 😯

Die Rechnung, die wirklich zählt

Die HSG-Studie hat eine wichtige Diskussion angestossen. Sie zeigt, dass unser Steuer- und Betreuungssystem bei Familien teilweise die falschen Anreize setzt. Darüber müssen wir sprechen.

Was wir aber nicht daraus ableiten sollten, ist dieser Satz: «Mehr arbeiten lohnt sich sowieso nicht.» Wer nur auf die Kita-Rechnung schaut, rechnet zu kurz. Die eigentliche Rechnung zeigt sich erst Jahre später. Und dann lässt sie sich nicht mehr korrigieren.

Deshalb: Triff deine Entscheidung bewusst. Nicht aus Angst. Nicht aus Gewohnheit. Und nicht nur aufgrund der Kosten dieses Monats.

Wenn Teilzeitarbeit zu deinem Leben passt, ist das völlig in Ordnung. Sorge einfach dafür, dass du die Folgen kennst – und dort vorsorgst, wo später Lücken entstehen können.

Teilzeit ist nicht das Problem. Unwissenheit kann eines sein. Die gute Nachricht ist: Du kannst etwas dagegen tun. Wenn du weisst, dass durch Teilzeitarbeit Vorsorgelücken entstehen könnten, kannst du diese frühzeitig planen und schliessen. Zum Beispiel mit einer zusätzlichen privaten Vorsorge oder indem du langfristig Vermögen investierst. Denn genau dafür ist Finanzplanung da: nicht um jede Lebensentscheidung zu verhindern, sondern um sie finanziell aufzufangen.

Und noch etwas kommt dazu: Kinderbetreuung ist vielleicht gar keine Ausgabe. Sondern eine Investition.

Ja, Kinderbetreuung kostet Geld. Viel Geld. Aber vielleicht schauen wir auf die falsche Rechnung. Denn was kaufst du dir mit Kinderbetreuung eigentlich? Zeit. Berufserfahrung. Karrierechancen. Zukünftige Lohnerhöhungen. Beiträge für deine Altersvorsorge. Und etwas, das sich kaum in Franken messen lässt: deine finanzielle Freiheit.

Vielleicht ist die Kita deshalb gar nicht die teuerste Ausgabe. Vielleicht ist sie eine der wichtigsten Investitionen in deine Zukunft und auch in die deines Kindes. Meine Kinder blicken gerne auf die Kitazeit zurück, denn sie konnten dort wertvolle Erfahrungen sammeln, die ich ihnen zuhause nie hätte bieten können.

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Quellen:
1: HSG-Studie vom Juni 2026, abgerufen August 2026
2: https://www.weadvance.ch/de 

Bild von Corinne Brecher - Finanziell stark als Frau

Corinne Brecher - Finanziell stark als Frau

Corinne Brecher hilft Frauen ihr finanzielles Potential zu erkennen, auszubauen und zu leben. Dazu gehört das Aufzeigen von Wegen und Lösungen, wie Geld an der Börse arbeitet, wie Vorsorgelücken optimiert und geschlossen werden und was es wirklich braucht, um finanziell unabhängig zu werden, zu sein und zu bleiben.

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